Wir können froh sein, dass es immer noch Bürger gibt, die sich für Politik engagieren und bereit sind, große Opfer auf sich zu nehmen, um für uns alle mit vergleichsweise bescheidenem Gehalt zu arbeiten. Jeder Bundeskanzler sieht sich sofort mit Kritik von selbsternannten Experten an Stammtischen konfrontiert, sowie mit Journalisten, die oft mehr an reißerischen Schlagzeilen als an differenzierter Berichterstattung interessiert sind.
Der zunächst negative Ausgang des ersten Wahlgangs zeigt deutlich, dass unsere Abgeordneten tatsächlich nur ihrem Gewissen verpflichtet sind und keinem Fraktionszwang unterliegen – ein wichtiges Merkmal unserer parlamentarischen Demokratie. Dies haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, und darauf können wir als Gesellschaft durchaus stolz sein. Im zweiten Wahlgang haben sie dann ihrer staatspolitischen Verantwortung entsprechend entschieden und damit politische Handlungsfähigkeit bewiesen.
Die neue Regierung steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, demografischer Wandel, wirtschaftliche Transformation und internationale Krisen erfordern mutige und durchdachte Lösungen. Dabei wird sie auch die europäische Integration weiter vorantreiben müssen. Als Bürgerinnen und Bürger sind wir aufgerufen, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten – auch wenn nicht alle Entscheidungen unseren persönlichen Vorstellungen entsprechen werden.
Demokratie lebt vom Engagement ihrer Bürger. Statt nur zu kritisieren, sollten wir uns selbst einbringen: in Parteien, Bürgerinitiativen oder kommunalen Gremien. Nur wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, hat auch das moralische Recht, von anderen politisches Engagement einzufordern. Politik ist keine Dienstleistung, die wir konsumieren können – sie ist vielmehr die gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft, zu der jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann und sollte.