Wie viele Konzerte können Pianisten auswendig spielen und wie schnell lernen sie die auswendig ?

  1. Historische Beispiele berühmter Pianisten:
  • Mozart: Konnte praktisch alles auswendig spielen, was er einmal gehört oder gesehen hatte
  • Clara Schumann: War eine der ersten, die regelmäßig öffentlich auswendig spielte
  • Franz Liszt: Hatte ein enormes Repertoire von etwa 400-500 Stücken im Kopf
  • Sergei Rachmaninoff: Bekannt für sein photographisches Gedächtnis, beherrschte etwa 200 Stücke auswendig
  • Arthur Rubinstein: Schätzte sein auswendiges Repertoire auf etwa 100 Konzerte
  1. Moderne Pianisten:
  • Die meisten professionellen Konzertpianisten heute haben etwa 30-50 Konzerte aktiv im Repertoire
  • Dazu kommen weitere 20-30 Stücke, die schnell wieder abrufbar sind
  1. Lerngeschwindigkeit: Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Pianisten mit zunehmender Erfahrung schneller lernen:
  • Entwicklung der Memorierungstechniken:
    • Strukturelles Lernen (Analyse der Musikform)
    • Auditive Memorierung
    • Kinästhetisches Gedächtnis (Bewegungsabläufe)
    • Visuelle Memorierung
  • Faktoren für schnelleres Lernen:
    • Verbesserte Mustererkennung
    • Tieferes harmonisches Verständnis
    • Effizientere Übungstechniken
    • Entwicklung persönlicher Memorierungsstrategien
  1. Wissenschaftliche Perspektive: Die Forschung zeigt, dass erfahrene Pianisten:
  • Größere „Chunks“ (Informationseinheiten) verarbeiten können
  • Bessere hierarchische Organisationsstrategien entwickeln
  • Effizientere neuronale Netzwerke für das musikalische Gedächtnis aufbauen
  1. Zeitlicher Rahmen zum Auswendiglernen:
  • Anfänger: 3-6 Monate für ein komplexes Konzert
  • Erfahrene Pianisten: 4-8 Wochen
  • Sehr erfahrene Virtuosen: manchmal nur wenige Tage bis 2 Wochen

Es ist allerdings wichtig zu bemerken, dass die reine Geschwindigkeit des Auswendiglernens nicht unbedingt mit der Qualität der Interpretation korreliert. Viele Pianisten arbeiten jahrelang an bestimmten Werken, um ihre Interpretation zu verfeinern, auch wenn sie die Noten bereits auswendig beherrschen.

Die Entwicklung der Lerngeschwindigkeit lässt sich zwar nicht präzise mathematisch berechnen, aber man kann definitiv eine Lernkurve beobachten, die mit zunehmender Erfahrung steiler wird. Dies ist vergleichbar mit dem Konzept der „Expertise-Entwicklung“ in der Kognitionspsychologie, wo sich Experten durch effizientere Informationsverarbeitung und bessere Strategien auszeichnen.

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