Kosmisches Rätsel gelöst: Die „verschwundene“ Materie des Universums wurde gefunden
Ein bahnbrechendes Forschungsprojekt des Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian (CfA) hat endlich das jahrzehntealte Rätsel der „verschwundenen“ Materie des Universums gelöst. Mithilfe von schnellen Radioblitzen (Fast Radio Bursts, FRBs) – kurzen, hellen Radiosignalen aus fernen Galaxien – konnten Wissenschaftler nachweisen, dass sich etwa 76% der gewöhnlichen Materie des Universums im intergalaktischen Medium (IGM) befindet.
„Das Problem der ‚fehlenden Baryonen‘ war nie die Frage nach ihrer Existenz, sondern nach ihrem Aufenthaltsort“, erklärt Liam Connor, CfA-Astronom und Hauptautor der Studie. „Dank der FRBs wissen wir jetzt: Drei Viertel davon schweben zwischen den Galaxien im kosmischen Netz.“
Die Forschungsteams analysierten 60 FRBs aus unterschiedlichen Entfernungen – von 11,74 Millionen bis zu 9,1 Milliarden Lichtjahren. Durch präzise Messungen der Verlangsamung dieser Signale auf ihrem Weg durch den Weltraum konnten sie das dünne, warme Gas zwischen den Galaxien „wiegen“.
Die Verteilung der Materie sieht wie folgt aus:
- 76% im intergalaktischen Medium
- 15% in Galaxienhüllen
- Ein kleiner Rest in Sternen und kaltem Gas innerhalb von Galaxien
Diese Entdeckung ist nicht nur eine astronomische Bestandsaufnahme. Sie liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Galaxien entstehen, wie sich Materie im Universum verteilt und wie Licht Milliarden von Lichtjahren durch den Kosmos reist. Die Ergebnisse bestätigen zudem Vorhersagen moderner kosmologischer Simulationen.
„Wir stehen am Beginn eines goldenen Zeitalters“, sagt Vikram Ravi von Caltech. Künftige Radioteleskope werden tausende weiterer FRBs entdecken und uns ermöglichen, das kosmische Netz in beispielloser Detailgenauigkeit zu kartieren.