Große Denker der Menschheit: Johann Herder, Benjamin Franklin und Erasmus von Rotterdam

Johann Gottfried Herder, Benjamin Franklin und Erasmus von Rotterdam haben viel gemeinsam:

  • alle entstammten bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen
  • alle eigneten sich ihr Leben lang eine umfassende Bildung an
  • alle schrieben sehr viel über die unterschiedlichsten Themen, insbesondere aber auch über gesellschaftliche Probleme
  • alle bauten sich ein Kommunikationsnetzwerk auf, so dass sie Ideen und Meinungen mit anderen austauschen konnten
  • sie lebten in Zeiten, in denen es große gesellschaftliche Umwälzungen und insbesondere bahnbrechende Erkenntnisse in den Wissenschaften gab.

Alle 3 bemühten sich, die öffentliche Meinung im Sinne humanistischer Ideale positiv zu beinflussen, also Toleranz, freie Meinungsäußerung, umfassende Bildung, unbedingter Wille, alle Informationen kritisch zu durchleuchten,  die Wahrheit herauszufinden und sie  so klar darzustellen, daß sie jeder verstehen konnte.

Franklin führte dazu unter anderem seine berühmten Experimente mit Blitzen durch, Herder und Erasmus waren dagegen zu stark rein geisteswissenschaftlich ausgerichtet und weniger an Naturwissenschaften und Technik interessiert.

Erasmus lebte um 1500, Franklin um 1750 und Herder um 1775  ( jeweils die Zahlen für die Mitte ihres Lebens )

Erasmus war katholisch erzogen und wurde Mönch, ließ sich aber davon freisprechen und kritisierte die Mißstände in der Organisation der katholischen Kirche sehr offen und oft auch mit beißendem Spott. Er erlebte die Umwälzungen, die durch die Entdeckung Amerikas verursacht wurden, den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und die Spaltung der katholischen Kirche durch die Reformation. Er kommunizierte mit Luther per Briefwechsel und empfahl dringend, die katholische Kirche  von innen zu reformieren und keine revolutionären Methoden anzuwenden.  Wäre er erfolgreich damit gewesen, wären Europa wahrscheinlich viele Kriege erspart worden und die Hexenverbrennungen hätten nicht stattgefunden. Auch die katholische Inquisition hätte ihr Terrorregime nicht ausgeübt.

Franklin war intensiv als Diplomat tätig, um die Unabhängikeit der USA von England zu verhandeln und war nicht nur als Geschäftsmann sehr aktiv und erfolgreich, sondern engagierte sich auch sozial stark. Insbesondere wollte er, daß jeder Bürger sich eine umfassende Bildung aneignete. Er gründete zum Beispiel die erste Leihbücherei in den USA, eine freiwillige Feuerwehr und vieles mehr.

Herder war Dichter, Philosoph und protestantischer Theologe. Er studierte Philosophie unter Kant in Königsberg. Er erlebte die Zeit der französichen Revolution und die Besetzung Deutschlands durch französiche Revolutionstruppen und kritisierte die französiche Revolution.

Es lohnt sich, die Schriften dieser 3 Männer zu lesen und ihre Argumente miteinander zu vergleichen, denn vieles ist auch heute genauso aktuell wie damals.

Auch wir leben in einer Umbruchzeit und haben immer noch dieselben Probleme zu lösen und zusätzlich noch einige mehr, wie die Klimaveränderungen, die massive Verschmutzung und Ausbeutung der Weltmeere, das immer größere Gefälle von immensem Reichtum und Armut in unseren demokratischen Gesellschaften, aber auch weltweit.

Da von Herder und Franklin schon eine kurze Kostprobe aufgeführt wurde, hier eine von Erasmus von Rotterdam.  Bei Amazon können viele  eBooks kostenlos und andere oft recht preiswert für die Kindle-Lesegeräte runtergeladen werden. Da es auch eine kostenlose Software von Amazon zum Lesen auf dem Computerbildschirm gibt, kann man beide Arbeitsweisen kombinieren:

  • eBook auf einem Kindle lesen
  • eBook auf dem Computerbildschirm lesen, wenn man Stellen daraus zitieren möchte.

Ein guter Einstieg, die Denkweise von Erasmus kennenzulernen sind seine „Gespräche

In „Der Abt und die gebildete Frau“,  beschreibt Erasmus das Gespräch zwischen einem ungebildeten Abt und eine gebildete Frau. Der Abt ist überzeugt, daß Frauen sich keine Bildung aneignen sollten, aber auch nicht seine Mönchsbrüder, denn die könnten ihm Fragen stellen und dann klüger erscheinen als er selbst.


Hier eine kleine Kostprobe aus „Der Abt und die gebildete Frau

Abt Antonius: “ Was versteht Ihr unter Weisheit ?“

Dame Magdala:  „Die Einsicht, daß ein Mensch nur durch geistige Güter glücklich ist. Reichtum, Ehre, Geschlecht machen weder glücklicher noch besser.“

Abt: „Eure Weisheit kann mir gestohlen bleiben.“

Dame: „Wenn mir nun aber die Lektüre eines guten Autors eben so angenehm ist wie Euch die Jagd, der Trunk, das Würfelspiel: glaubt Ihr dann nicht, daß auch ich angenehm lebe ?“

Abt: „Für meine Person möchte ich nicht so leben. “


Das Gespräch ließe sich mit anderer Rollenverteilung auf jede hierarchische Gesellschaftsstruktur anwenden. Und ist heute  immer noch hoch aktuell.

Auch in unseren Demokratien sind Frauen immer noch benachteiligt und werden durch die Medien diskriminiert, indem sie als Sexobjekte mißbraucht werden. Siehe das Convergirl bei „Bild“ zum Beispiel.

Hier ein anderes Gespräch:

In dem Gespräch „Die unnatürliche Ehe„, behandelt er das Problem von Geschlechtskrankheiten und diskutiert, wie die Gesellschaft handeln sollte, damit sie sich nicht ausbreiten. Er vergleicht diese Krankheit mit Lepra und kommt zu dem Schluß, dass sie noch fürchterlicher sei.

In dem Gespräch werden auch radikale Maßnahmen diskutiert, um die Ausbreitung der Geschlechtskrankheit zu verhindern, wie Kastration, Ausschluß aus der menschlichen Gesellschaft und sogar Verbrennung.


„…. Damals hätte durch den Tod einiger Weniger für die Wohlfahrt der ganzen Erde gesorgt werden können …“


Auch heute wieder ein aktuelles Thema; denn die Wirksamkeit der Antibiotika läßt immer stärker nach und Krankheiten wie Tuberkulose kehren wieder zurück.

Und wie wir an Aids sehen, hätte die Ausbreitung dieser Krankheit durch radikale Maßnahmen am Anfang gestoppt werden können. Wir haben aber  aus  „humanitären“ Gründen zugelassen, daß sie sich weltweit ausbreiten konnte und Hunderte Millionen Menschen daran bereits gestorben sind und noch sterben werden.

In Afrika gibt es viele Waisen, die von ihren Großmüttern aufgezogen werden müssen, weil ihre Eltern an Aids gestorben sind.

Wir stehen hier vor einem ethischen Dilemma und müssen den Mut entwickeln, eventuell nötige,  radikale Maßnahmen durchzuführen. Wenn die Isolierung von betroffenen Menschen nötig ist, kann das ja in einer Form geschehen, dass sie trotzdem   ein möglichst menschenwürdiges und erfülltes Leben führen können.

Damit wir den Blick nicht nur auf die abendländische Kultur verengen, werden wir als nächstes Ausschau halten  nach gleichgesinnten Männern und Frauen, die  zu anderen Zeiten und in anderen Kulturkreisen lebten.

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