Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 2: Buddha und die Kosmologie

Dieser 1. Beitrag soll kurz zeigen, dass Buddha keine Religion im Sinne der monotheistischen Religionen lehrte, sondern wie ein Naturwissenschaftler argumentiert:

  • er wendet undogmatisches logisches Denken an
  • er lehrt, wie jeder im Selbstversuch dieselben Ergebnisse erfahren kann

Das soll eine Vorbereitung sein auf die Dialoge zwischen Buddhismus und Naturwissenschaftlern, insbesondere  mit dem Dalai Lama.

———————————————————————————————————-

The New Physics And Cosmology

             Dialogues with the Dalai Lama

                  edited by Arthur Zajonc

                Oxford University Press 2004

———————————————————————————————————-

Der heutige Buddhismus zeigt zwar viele Merkmale von  Religionsgemeinschaften, Buddha selber argumentiert aber gegen die Existenz von Göttern.

Er lehrt, dass jeder Mensch die Wahrheit erfahren kann, wenn er die richtige Geisteshaltung entwickelt und die richtigen geistigen Übungen durchführt.

Insofern ist er ein Naturwissenschaftler, der logisch argumentiert und lehrt, wie jeder dieselben Wahrheiten finden kann.

Vieles was Jesus lehrt, findet sich bereits in den Lehren von Buddha:

  • Nächstenliebe
  • Ablehnen von Wundern. Buddha verbietet den Mönchen und Nonnen, ihre erworbenen Fähigkeiten zu missbrauchen, um Wunder zu bewirken und Jesus weist ausdrücklich daraufhin, dass die Menschen ihm und seiner Lehre vertrauen sollen und nicht seinen Wundern.

Es gibt natürlich einen großen Unterschied zwischen Jesus und Buddha: Jesus lehrt, dass es einen Gott gibt und dieser Gott sich den Menschen  offenbart hat.

Im folgenden verwende ich ein  Buch von 1915, weil es sich auf buddhistische Texte aus den südlichen Ländern, wie Thailand stützt, in denen die ursprüngliche,  schlichte Lehre Buddhas anscheinend originalgetreuer überliefert wurde.

Weisheitslehren und Religionen werden im Laufe der Jahrhunderte fast immer mit phantasievollen Ausschmückungen überfrachtet, die die ursprünglich klare Lehre immer diffuser machen.

———————————————————————————————————-

The Gospel of Buddha, Compiled from Ancient Records

by  Paul Carus

Chicago and London,  The Open Court Publishing Company 1915

———————————————————————————————————-

IX Die Suche des Boddhisatta’s

Vor seiner Erleuchtung wird ein Buddha ein Boddhisatta genannt.

Als Buddha vor seiner Erleuchtung auf der Suche nach der Wahrheit war, besuchte er auch zwei berühmte Brahmanen und hörte sich ihren Lehrvortrag über das Selbst  ( Atman ) an.

Buddha war mit Ihrer Argumentation nicht zufrieden und führte folgende Argumente dagegen an ( die folgenden Zitate habe ich aus dem Englischen übersetzt ):

Die Lehre des Karma läßt sich nicht leugnen, aber Deine Lehre des Selbst ruht nicht auf einem Fundament.

Wie alles andere in der Natur, unterliegt das Leben des Menschen dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Die Gegenwart erntet, was die Vergangenheit gesät hat und die Zukunft ist das Produkt der Gegenwart. Aber es gibt keinen Beweis, eines unveränderlichen Ich’s, das dasselbe bleibt und von Körper zu Körper wandert. Es gibt die Wiedergeburt,  aber keine Seelenwanderung.

…………………..

Und der Bodhisatta ging in die Tempel, wo die Priester Opfer darbrachten. Aber der sanfte Geist des Shakyamuni   (Buddhas Beiname: der Weise aus dem Geschlecht von Shakya ) wurde durch die unnötigen Grausamkeiten beleidigt, die auf den Altären der Götter durchgeführt wurden.

Nur Unwissenheit kann diese Männer veranlassen, Feste vorzubereiten und riesige Versammlungen für Opferriten abzuhalten. Es ist weitaus besser,  die Wahrheit zu verehren als zu versuchen, die Götter zu besänftigen, indem Blut verschüttet wird.

Welche Liebe kann ein Mensch besitzen, der glaubt, dass die Vernichtung von Leben eine Sühne für böse Taten ist ? Kann ein neuer Fehler einen alten auslöschen ? Und kann das Schlachten eines unschuldigen Opfers die üblen Taten der Menschheit auslöschen ? Das ist Ausüben von Religion mit Vernachlässigung von moralischem  Handeln.

Reinigt Eure Herzen und hört auf zu töten; das ist wahre Religion.

Rituale sind wirkungslos; Gebete sind vergebliche Wiederholungen und Gesänge haben keine Erlösungskraft.

Aber das Abschütteln von Begierde und Lüsternheit, um frei von üblen Leidenschaften zu werden und das Aufgeben von Hass und Übelwollen, das ist das richtige Opfer und die wahre Verehrung.

__________________________________________________

XXXIII Anathapindika

Wer ist es, der unsere Leben formt ?

  • Ist es Isvara, ein persönlicher Schöpfer ? 
    • Wenn Isvara der Macher ist, dann sollten sich alle Lebewesen schweigend der Macht ihres Machers unterwerfen. Sie wären wie Gefäße, die von der Hand des Töpfers geformt wurden und wenn es so wäre, wie wäre es dann möglich, Tugend zu praktizieren ?
    • Wenn die Welt von Isvara gemacht worden wäre, dann sollte es nicht so etwas wie Sorge, Unglück oder Böses geben, denn beide  – reine und unreine Taten-  müsten von ihm her kommen.
  • Falls nicht, dann würde es neben ihm noch eine andere Ursache geben und er würde nicht alleine  existieren.

Deshalb siehst Du, der Gedanke eines Isvara ist überwunden.

————————————————————————————————–

Kommentar:

Diese wenigen Zitate aus den Lehren von Buddha sollen demonstrieren, dass es sich auch für naturwissenschaftlich denkende Menschen lohnt, die Schriften von Buddha selbst, aber auch von späteren buddhistischen Gelehrten zu studieren, da sie auf rationalem Denken und Selbsterfahrungen beruhen, im Prinzip also im Selbstversuch  reproduzierbar sind.

  • Gehirnscans von buddhistischen Meditationsmeistern, die während ihrer Meditation gemacht wurden, zeigen, dass diese Meister fähig sind, jeden Geisteszustand zu reproduzieren. Ausserdem zeigen diese Scans, dass einige Gehirnbereiche stärker entwickelt sind, als bei nicht meditierenden Menschen.
  • Der Dalai Lama pflegt seit Jahrzenten engen Kontakt zu Naturwissenschaftlern und es lohnt sich, die Diskussionen zwischen ihnen zu studieren, da in ihnen die neuesten Erkenntnisse aus Physik, Astrophysik und Neurologie aus naturwissenschaftlicher und buddhistischer Sicht diskutiert werden.
  • der besondere Beitrag des Buddhismus besteht darin, dass Buddhisten seit ca. 2500 Jahren in ausserordentlicher Weise ihr Gehirn trainiert haben und im Selbstversuch die Entstehung und die Kontrolle von Emotionen studiert haben. Und dieses Wissen kann uns vielleicht helfen, die Ursachen von Zwistigkeiten, Hass und Kriegen zu vermeiden.

Leider sind die dogmatisch geprägten,  monotheistischen Religionen nicht zu solch einem ergebnisoffenen Dialog bereit.

  • Der Dalai Lama hat zum Beispiel in England mit christlichen Theologen die Lehren von Jesus diskutiert  und sie aus buddhistischer Sicht kommentiert, in :
  • bisher vermisse ich, dass ein Papst in gleicher Weise sich bemüht hat, die buddhistischen Lehren mit buddhistischen Gelehrten zu diskutieren und sie aus christlicher Sicht zu kommentieren.
Dieser Beitrag wurde unter Große Denker der Menschheit abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 2: Buddha und die Kosmologie

  1. Pingback: Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 1.1: Epikur | informationsbearbeitung

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s