Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 1.32 Kant: Bilden von abstrakten Begriffen

Kant

Was heißt, sich im Denken zu orientieren ?


In dieser Schrift untersucht Kant, wie wir  – von konkreten, auf praktischen Beobachtungen und Erfahrungen beruhenden Begriffen  ausgehend –  immer abstrakter werdende Begriffe entwickeln. Dabei haften diesen abstrakten Begriffen aber immer noch bildliche Vorstellungen an, die auf ihren konkreten Ausgangspunkt hindeuten.

Der Ausgangspunkt ist immer die Erfahrung und daraus wird ein subjektiver Unterscheidungsgrund abgeleitet.

Wenn wir abstraktere Begriffe bilden, die über die Erfahrung hinausgehen, müssen wir prüfen, ob sie frei von Widersprüchen sind und wie ihr Verhältnis zur Erfahrung ist.

  • Der Begriff alleine sichert noch nicht, daß der gedachte Gegenstand existiert.
  • Wenn wir über das Erfahrungswissen hinausgehen, müssen wir für die Vernunft Annahmen machen, damit sie sich orientieren kann.

Dabei macht es keinen Sinn, geistige Wesen anzunehmen, da wir nichts von ihnen wissen können und damit nur gehindert werden, unsere Vernunft ausdauernd und richtig zu gebrauchen.

Als Grundannahme, damit unsere Vernunft nicht fehlgeleitet wird, müssen wir akzeptieren, daß es ein Urwesen als oberste Intelligenz gibt, das zugleich auch das höchste Gute darstellt.

  • Unsere Vernunft hat das Bedürfnis, diese Annahme zu machen:
  • die Natur läßt sich ohne diese Annahme nicht erklären, denn wir benötigen eine erste, verständige Ursache  ( prima causa )

Der Vernunftglaube kann aber durch alle natürlichen Daten und durch alle Erfahrung niemals in Wissen verwandelt werden.

  • der Vernunftglaube ist der Wegweiser für den spekulativen Denker im übersinnlichen Felde
  • der Vernunftglaube muß jeder Offenbarung zu Grunde gelegt werden.

Der Begriff von Gott und selbst die Überzeugung von seinem Dasein, kann nur allein in der Vernunft angetroffen werden.

  • der Begriff der Unendlichkeit beruht nicht auf Erfahrung oder Anschauung

Denkfreiheit

Wir denken in der Gemeinschaft mit anderen Menschen und auch wenn das Denken des Einzelnen frei ist, kann ein Herrscher uns am Denken hindern, indem er den freien Meinungsaustausch mit anderern Menschen verbietet.

Gewissenszwang

Glaubensformeln erzeugen Gewissenszwang und  verhindern damit  die Prüfung durch die Vernunft.

Selbstdenken

heißt, den obersten Prüfstein der Wahrheit in sich selbst zu suchen und der Grundsatz, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.

Die Aufklärung in Individuen zu gründen ist einfach, indem sie von Kindheit an ermutigt werden, selbständig zu denken; es ist aber sehr langwierig,  ein Zeitalter aufzuklären, denn es finden sich viele  äußere Hindernisse, welche jene Erziehungsart teils verbieten, teils erschweren.


Kommentar:

Kant verlangt, dass auch abstrakte Begriffe auf Erfahrungswissen zurückgeführt werden können und dass nur überprüfbare Annahmen gemacht werden und deshalb  geistige Wesen ausgeschlossen werden, da wir nichts über sie wissen können, mit der einen Ausnahme  eines intelligenten, guten Urwesens.

Die abstrakten Begriffe müssen widerspruchsfrei sein und wir müssen eine Leitschnur haben, wie wir sie verwenden, damit wir nicht in Schwärmerei oder Aberglauben abgleiten.

  • Deshalb müssen wir immer prüfen, warum wir eine Annahme machen und warum wir die Schlußfolgerungen, die aus ihr folgen,  als Grundsätze für unseren Vernunftgebrauch machen wollen.

Wie die Vedantagelehrten verlangt also auch Kant, daß wir immer von prüfbaren Fakten unseres Erfahrungswissens ausgehen. Er verwendet aber keine Geschichten wie sie, um ein abstraktes Konzept schrittweise verständlich zu machen. Anscheinend liegt ihm dieser Lehrstil nicht.

Er verwendet auch keine Kette von Analogien,  wie Sokrates, wahrscheinlich, weil er – wie auch die Vedantagelehrten – erkennt, dass dadurch auch leicht Fehlschlüsse gemacht werden können; denn jede Analogie ist nur teilweise richtig, so dass eine Kette von Analogieschlüssen den Gesamtfehler immer größer macht.

  • Es ist bemerkenswert, dass hoch intelligente Menschen entweder überzeugt sind, dass es kein Urwesen ( Gott ) gibt, wie Buddha und Epikur zum Beispiel und andere, wie Kant und Einstein, daß es Gott geben muß.

Anscheinend ist es  sehr schwer zu akzeptieren, daß durch Zufallsereignisse in sehr langen Zeiträumen sich  komplexe Strukturen aus dem Chaos entwickeln können. Einstein akzeptierte zwar, daß die Quantentheorie richtige Voraussagen machte, aber er konnte nie akzeptieren, daß in der Quantentheorie nur Wahrscheinlichkeiten für Ereignisse berechnet werden konnten.

Lukrez, der die Erkenntnisse von Epikur voll anerkennt, beschreibt, dass die unendlich vielen, verschiedenen Atome in dem unendlich großen Universum sich durch zufällige Stöße so miteinander verbunden haben, daß dadurch alle Objekte und Lebewesen im Univerum entstanden sind, ohne daß dazu ein Gott nötig wäre.

Epikur und Lukrez setzen voraus, dass diese Atome immer existiert haben und unzerstörbar sind. Damit vermeiden sie, daß ein Urwesen die erste Ursache für die Entstehung des Universums ist.

  • Beide Annahmen  – Urwesen oder bereits immer existierende Atome –  sind gleichwertig, da beide nicht bewiesen oder widerlegt werden können.
  • anscheindend sind Menschen  psychologisch vorgeprägt, welche der beiden Annahmen sie bevorzugen.

Anstelle des Begriffs der Atome müssen wir nach unserem heutigen Wissenstand den Vakuumzustand annehmen. Das ist ein chaotischer Zustand von Quantenteilchen, aus dem alle anderen Elementarteilchen entstanden sind. Allerdings wissen wir noch nicht, wie.

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