Was nützt uns heute noch die Philosophie ?

Im alten Griechenland wurde die Philosophie  ( „Liebe zur Weisheit“) das erstemal im Abendland entwickelt. Es wurde versucht, aus Beobachtungen und einigen Grundannahmen, richtige Schlußfolgerungen zu ziehen und herauszufinden, mit welchen Denkmethoden das möglich ist.

Bekannt ist der Griechische Philosoph Platon, der in allen seinen Schriften seinen tief verehrten Lehrer Sokrates,  in Dialogen mit anderen eine Fragestellung untersuchen läßt.

Sokrates geht von dem Grundsatz aus, daß er nur eine Tatsache mit Sicherheit weiss:  dass er nichts weiss und das er dies  nur deshalb mit Sicherheit weiss, weil das Orakel von Delphi ihm das verkündet hatte. Also beruht seine Sicherheit auf einer göttlichen Aussage; denn er glaubte an die Griechischen  Götter.

Zitat aus wikipedia.de:

Nach Xenophons Version lautete die Orakelauskunft, dass niemand freier oder gerechter oder besonnener sei als Sokrates:

Aus diesem Orakelspruch leitete Sokrates, dem sein Nichtwissen vor Augen stand, Platon zufolge den Auftrag ab, das Wissen seiner Mitmenschen zu prüfen, um sich dessen zu vergewissern, was die Gottheit gemeint hatte.

Zitat von Sokrates:  ( aus  der Sammlung:   Aphorismen.de)

Dieser meint etwas zu wissen, obwohl er nicht weiß, ich aber, der ich nichts weiß, glaube auch nicht zu wissen.

Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, weil ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.

Anmerkung:  In dieser Aphorismensammlung sind auch einige sehr amüsante Zitate, die aus unserer heutigen Zeit stammen könnten. Es lohnt sich also, sich einmal alle Zitate dort anzusehen.


Sokrates wendet in seinen Gesprächen immer die Methode an, eine Fragestellung schrittweise an konkreten Beispielen zu untersuchen:

  • Beispiele aus dem täglichen Leben
  • aus der Politik
  • aus dem Handel
  • der Schiffahrt usw.

Da er häufig Besucher aus anderen Gegenden des Mittelmeerraumes hat, befragt er sie auch immer nach den Gebräuchen und rechtlichen Grundsätzen in ihren Ländern.

Bei dieser Denkmethode, eine Folge von analogen Beispielen durchzugehen, um zu einer abstrakten Erkenntnis zu gelangen, ergibt sich das Problem dass mit jedem analogen Beispiel ein Fehler in die Kette der Schlußfolgerungen eingeführt wird.

So ist es zum Beispiel verführerisch, den obersten Politiker in einem Staat mit dem Kapitän auf einem Schiff zu vergleichen und dann aus der Handlungsweise des Kapitäns auf die des Politikers rückzuschließen, aber es ist klar, daß beide nicht vergleichbar sind:

  • der Kapitän beherrscht einen relativ kleinen, direkt überschaubaren Bereich und muß neben organisatorischen Problemen und der Menschenführung, die sich auf Befehl und Gehorsam stützt,  sich nur mit den Naturkräften auseinandersetzen.
  • der Politiker muss sehr viel mehr Menschen davon überzeugen, dass er die richtigen Lösungskonzepte für gesellschaftliche oder wirtschaftliche Probleme hat. Und wenn er nicht ein Tyrann ist, muß er sich darum bemühen, eine Mehrheit zu erhalten. Er hat also viel komplexere, gruppendynamische Prozesse zu beachten als ein Kapitän.

Neben den Schlußfolgerungen aus analogen Beispielen entwickelt Platon  auch die Begriffe, die in der Umgangssprache verwendet werden, schrittweise zu immer abstrakteren Begriffen  und versucht, damit ein  Begriffsgerüst zu erstellen, mit dessen Hilfe richtige Schlußfolgerungen gezogen werden können.

Das Grundproblem dabei ist, daß auch die abstraktesten Begriffe immer auf konkretem Erfahrungswissen beruhen und da sie sich zusammen mit der Sprache entwickelt haben, sind sie nur richtig, solange sie im Bereich des Erfahrungswissens angewendet werden.

Beispiele:

Kraft:

So wird durch die Sprache ausgedrückt, was mit Kraft gemeint ist und dieser Begriff wird in der Physik durch eine Formel in  abstrakter Form  dargestellt.

Untersucht man aber, was bei einer Krafteinwirkung auf der Ebene der Atome passiert, sieht man, dass es sehr schwierig wird, genau anzugeben, wie eine Kraftübertragung überhaupt stattfindet.

Kausalitätsgesetz

Im Hinduismus und im Buddhismus wird die Grundannahme gemacht, dass  es für alles eine Ursache ( Gesetz des Dharma )  gibt  und dass daraus zwangsläufig folgt, dass es die Wiedergeburt gibt. In useren früheren Leben haben wir die Grundlage für unsere heutigen Lebensumstände gelegt. Daraus wurde  auch die Berechtigung für das Kastensystem abgeleitet.

  • Bisher gibt es keinen einzigen, wissenschaftlich gesicherten Fall für eine Wiedergeburt.

Der griechische Philosoph Epikur sagt dasselbe aus:   „Nichts ensteht aus Nichts.“

Der Englische Philosoph David Hume zweifelt allerdings an dem Kausalitätsgesetz und meint, dass wir nur eine Folge von Ereignissen durch unsere Sinne beobachten können und nicht sicher sein können, daß es überhaupt ein Kausalitätsgesetz gibt.

Der Deutsche Philosphe  Kant zeigt, daß uns unser Denken, das auf Sprache beruht,  in Widersprüche führen kann.

In Indien, China und Japan wurden auch andere Methoden entwickelt, die Wahrheit zu erkennen:

  • Die Yogis ( 8 facher Pfad nach Patanjali ), versuchen, das Denken in Begriffen zu überwinden und einen geistigen Zustand zu erreichen, in dem sie frei von körperlichen Empfindungen und von Gedanken sind. Auch das ich-Gefühl soll dabei überwunden werden.
    • Im 20. Jahrhundert hat der große Yogi  Sri Ramana Maharshi wiederholt erklärt, wie das ich-Gefühl überwunden werden kann.
  • Die Buddhisten versuchen, denselben geistigen Zustand zu erlangen, wenden aber auf dem Pfad dahin auch philosophische Methoden an, die die buddhistischen Mönche in täglichen Diskussionen trainieren.
    • Eine besondere Methode, die Beschränkungen, die das Denken in Begriffen erzeugt, zu überwinden, hat der Buddhismus entwickelt, als er von buddhistischen Mönchen nach China gebracht wurde.

In dem umfangreichen Werk:

Bi-Yän-Lu:  Meister Yüan’s Niederschrift von der Smaragdenen Felswand

( um 1100 n. Chr )

wird an vielen Beispielen mit ausführlichen Kommentaren gezeigt, wie das begriffliche Denken überwunden werden kann.  ( Im japanischen Zen-Buddhismus, sind das die bekannten Koan’s )

  • Die Grundlehre ist, dass es ein alles durchdringendes geistiges Feld gibt, auf dem alles beruht und das der Mensch dieses geistige Feld erfahren und damit verschmelzen kann, wenn er bestimmte Übungen durchführt.

Das Abendland wurde erst im 18. und 19. Jahrhundert besser mit diesen Lehren bekannt und der Deutsche Philosoph Schopenhauer wendete dieses Wissen an, um den Erkenntnisprozess zu untersuchen:

Schopenhauer:

Die Welt als Wille und Vorstellung

Vergleichen wir, wie die Philosophen seit ca. 2500 Jahren immer wieder dieselben Fragestellungen mit den ihnen bekannten Fakten untersuchen und nie zu abschließend dauerhaft gütligen Urteilen gelangen   – häufig beschimpft ein Philosoph auch recht derb seinen Kollegen:  Schopenhauer beschimpft Hegel zum Beispiel- , so fragt man sich, was uns heute die Philosophie überhaupt noch nützt:

  • Die Naturwissenschaften und die Mathematik  haben sehr viel mehr gesichertes Wissen geschaffen als die Philosophie.

Meines Erachtens gibt es folgende Gründe, sich mit den Erkenntnissen in der Philosophie zu beschäftigen:

  • wir können lernen, wie aus dem Fundus von gesicherten Tatsachen,  und mit einigen  intelligenten Vermutungen,  Schlußfolgerungen gezogen werden können.
  • wir lernen Fragen zu stellen und bloße Behauptungen oder Vermutungen skeptisch zu untersuchen.

Was wir anscheinend nicht von der Philosophie erwarten dürfen,  ist, daß sie richtige Antworten liefert, denn sie arbeitet zwangsläufig mit dem unvollkommenem Vehikel der Sprache, die sich im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat und die durch die, mit   unseren Sinne erfahrbare und gefilterte Umwelt,   geprägt wurde.

Alle philosophischen Überlegungen stoßen deshalb immer  wieder an dieselben Grenzen.

Es fragt sich, ob wir ohne Sprache Philosophie betreiben können:

  • Ist es möglich, ähnlich wie in der Mathematik, Symbole zu verwenden und damit eine Symbolsprache für die Philosophie zu entwickeln, die nicht mehr durch die natürliche Sprache beeinflußt ist ?
  • Bliss hat in seiner Symbolsprache  „Bliss-Symbolics“ bereits eine Symbolsprache entwickelt, die für die globale Kommunikation verwendet werden könnte und eine ähnliche Symbolsprache sollte auch für die Philosophie entwickelt werden können.
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