Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 1.31 Kant’s Überlegungen zur Raumstruktur

Kant:

Von dem ersten Grunde des Unterschieds der Gegenden im Raum

Kant hat sich sehr intensiv mit naturwissenschaftlichen Fragen beschäftigt, insbesondere mit der Astronomie.

Aus den wenigen gesicherten Fakten über unser Sonnensystem, unsere Milchstraße und die zu seiner Zeit nur als Nebelflecken erkennbaren anderen Galaxien, hat er  – basierend auf den Erkenntnissen von Kopernikus, Kepler und Newton –  eine qualitative Theorie über die Entstehung unseres Universums, der Galaxien und unseres Planetensystems mit den Monden und den Ringen des Saturns abgeleitet.

Kant hat sich auch gefragt, welche   Raum-Zeitstruktur das Universum hat.

Dafür geht er von Beobachtungen aus:

  • Bohnen drehen nach links
  • Schneckengehäuse drehen nach rechts, wenn man von dem spitzen Ende auf das Gehäuse schaut
  • Passatwinde drehen auf der Nordhalbkugel entgegengesetzt zu denen auf der Südhalbkugel
  • unsere beiden Hände sind spiegelbildlich, aber nicht kongruent

Auf Grund dieser Beobachtungen fragt er sich, ob  aus den Anordnungen der inneren Teile eines Gegenstandes erklärt werden kann, warum 2 Gegenstände, die dieselben internen Abmessungen haben, nicht durch Bewegungen im Raum zur Deckung gebracht werden können.

Da das bei den genannten Beispielen nicht möglich ist, insbesondere auch nicht bei den beiden Händen, schließt er, dass das Objekt den Raum, in dem die linke Hand eingebettet ist, in seiner Struktur so beeinflusst, dass er von dem Raum, in dem die rechte Hand eingebettet ist, sich unterscheidet.


Kommentar

Kant untersucht diese Frage nicht mathematisch weiter.

  • Er hätte sonst erkannt, dass die Struktur eines  Gegenstanden nicht alleine durch die Abstände seiner Teile definiert wird, sondern, dass dass dazu auch die Drehsymmetrien gehören.

In der Physik wird angenommen, dass der Raum gleichförmig ( homogen ) und in allen Richtungen gleich ( isotrop ) ist.

  • Aus der Allgemeinen Relativitätstheorie wissen wir aber, dass Massen die Raum-Zeitstruktur ändern. Licht von Sternen, das in der Nähe von sehr massereichen Sternen,  wie Schwarzen Löchern etwa, vorbeifliegt, wird abgelenkt.
  • In der Elementarteilchenphysik werden die Eigenschaften der Elementarteilchen durch Symmetrieeigenschaften beschrieben.
    • Dabei ist aber nicht geklärt, ob diese Teilchen nicht auch die Raum-Zeit – Struktur ändern.

„Wavy“       Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Die Animation zeigt die Gravitationswellen, die durch 2 sich umkreisende Neutronensterne erzeugt werden sollten.

Gravitationswellen folgen aus der Allgemeinen Relativitätstheorie von Einstein. Sie ändern die Raum-Zeit-Struktur. Allerdings wurden sie bisher noch nicht experimentell nachgewiesen.


Die Fragestellung, ob Gegenstände die Raum-Zeitstruktur ändern, ist für Gegenstände, wie wir sie in unserem Alltagsleben vorfinden negativ zu beantworten, aber nicht für extrem kleine oder extrem große Körper.

Insofern hat Kant bereits eine sehr wichtige Fragestellung der Physik erkannt, auch wenn er sie  noch nicht tiefgreifender untersuchen konnte, da es zu wenig Faktenwissen zu seiner Zeit gab.


Leonardo da Vinci

Zu den Unterschieden der beiden Hände gibt es eine interessante Erklärung von Aurelio Teleman:

Hormone spielen bei der Kontrolle des Wachstums eine wichtige Rolle, und Insulin ist einer der Drahtzieher“, erklärt Aurelio Teleman, Nachwuchswissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum. Der junge Wissenschaftler baut derzeit seine Arbeitsgruppe „Krebs- und stoffwechselassoziierte Signaltransduktion“ auf, die sich zur Aufgabe macht, die Funktion Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktoren zu erforschen.

Zentraler Regulator am Werk?
„Es muss aber noch mehr Kontrollelemente geben“, fügt er hinzu. „Wenn Sie Ihre rechte und linke Hand miteinander vergleichen, sind sie fast gleich groß, obwohl sie während ihrer Entstehung nicht miteinander kommunizieren konnten. Sie stammen von getrennten Zellgruppen, die sich während der Entwicklung vermehrt, und zu einem bestimmten Zeitpunkt damit aufgehört haben. Hätten die Zellen einer Hand ihre Vermehrung nicht zum richtigen Zeitpunkt beendet und nur eine weitere Zellteilungsrunde durchlaufen, wäre eine Hand doppelt so groß wie die andere.“

Deshalb lautet seine Schlussfolgerung: Es müsse eine ausgeklügelte Instanz geben, welche die Größe der Zellen und Gewebe von Beginn des Lebens an reguliert.

Als zentraler Regulator konnten ausgeschlossen werden:

  • die Zeit
  • Anzahl der Zellteilungen; dagegen spricht das Regenerationsvermögen
  • die Größe der Zellen spielt keine Rolle

Aurelio Teleman glaubt, dass die reduktionistische Methode bei der Untersuchung dieser Frage an ihre Grenzen stößt:

Was hindert uns daran, die Prinzipien zu verstehen und lückenlos aufzuklären? Nach Meinung von Aurelio Teleman liegt das daran, „dass die Kontrollmechanismen, die die Größe regulieren, an anderen lebenswichtigen biologischen Vorgängen beteiligt sind. Schalten wir einen solchen Faktor in einem Tierexperiment aus, wird das Tier sterben. Ob der Faktor für die Steuerung der Größe wichtig ist, bleibt dann ungeklärt.

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Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 2: Buddha und die Kosmologie

Dieser 1. Beitrag soll kurz zeigen, dass Buddha keine Religion im Sinne der monotheistischen Religionen lehrte, sondern wie ein Naturwissenschaftler argumentiert:

  • er wendet undogmatisches logisches Denken an
  • er lehrt, wie jeder im Selbstversuch dieselben Ergebnisse erfahren kann

Das soll eine Vorbereitung sein auf die Dialoge zwischen Buddhismus und Naturwissenschaftlern, insbesondere  mit dem Dalai Lama.

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The New Physics And Cosmology

             Dialogues with the Dalai Lama

                  edited by Arthur Zajonc

                Oxford University Press 2004

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Der heutige Buddhismus zeigt zwar viele Merkmale von  Religionsgemeinschaften, Buddha selber argumentiert aber gegen die Existenz von Göttern.

Er lehrt, dass jeder Mensch die Wahrheit erfahren kann, wenn er die richtige Geisteshaltung entwickelt und die richtigen geistigen Übungen durchführt.

Insofern ist er ein Naturwissenschaftler, der logisch argumentiert und lehrt, wie jeder dieselben Wahrheiten finden kann.

Vieles was Jesus lehrt, findet sich bereits in den Lehren von Buddha:

  • Nächstenliebe
  • Ablehnen von Wundern. Buddha verbietet den Mönchen und Nonnen, ihre erworbenen Fähigkeiten zu missbrauchen, um Wunder zu bewirken und Jesus weist ausdrücklich daraufhin, dass die Menschen ihm und seiner Lehre vertrauen sollen und nicht seinen Wundern.

Es gibt natürlich einen großen Unterschied zwischen Jesus und Buddha: Jesus lehrt, dass es einen Gott gibt und dieser Gott sich den Menschen  offenbart hat.

Im folgenden verwende ich ein  Buch von 1915, weil es sich auf buddhistische Texte aus den südlichen Ländern, wie Thailand stützt, in denen die ursprüngliche,  schlichte Lehre Buddhas anscheinend originalgetreuer überliefert wurde.

Weisheitslehren und Religionen werden im Laufe der Jahrhunderte fast immer mit phantasievollen Ausschmückungen überfrachtet, die die ursprünglich klare Lehre immer diffuser machen.

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The Gospel of Buddha, Compiled from Ancient Records

by  Paul Carus

Chicago and London,  The Open Court Publishing Company 1915

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IX Die Suche des Boddhisatta’s

Vor seiner Erleuchtung wird ein Buddha ein Boddhisatta genannt.

Als Buddha vor seiner Erleuchtung auf der Suche nach der Wahrheit war, besuchte er auch zwei berühmte Brahmanen und hörte sich ihren Lehrvortrag über das Selbst  ( Atman ) an.

Buddha war mit Ihrer Argumentation nicht zufrieden und führte folgende Argumente dagegen an ( die folgenden Zitate habe ich aus dem Englischen übersetzt ):

Die Lehre des Karma läßt sich nicht leugnen, aber Deine Lehre des Selbst ruht nicht auf einem Fundament.

Wie alles andere in der Natur, unterliegt das Leben des Menschen dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Die Gegenwart erntet, was die Vergangenheit gesät hat und die Zukunft ist das Produkt der Gegenwart. Aber es gibt keinen Beweis, eines unveränderlichen Ich’s, das dasselbe bleibt und von Körper zu Körper wandert. Es gibt die Wiedergeburt,  aber keine Seelenwanderung.

…………………..

Und der Bodhisatta ging in die Tempel, wo die Priester Opfer darbrachten. Aber der sanfte Geist des Shakyamuni   (Buddhas Beiname: der Weise aus dem Geschlecht von Shakya ) wurde durch die unnötigen Grausamkeiten beleidigt, die auf den Altären der Götter durchgeführt wurden.

Nur Unwissenheit kann diese Männer veranlassen, Feste vorzubereiten und riesige Versammlungen für Opferriten abzuhalten. Es ist weitaus besser,  die Wahrheit zu verehren als zu versuchen, die Götter zu besänftigen, indem Blut verschüttet wird.

Welche Liebe kann ein Mensch besitzen, der glaubt, dass die Vernichtung von Leben eine Sühne für böse Taten ist ? Kann ein neuer Fehler einen alten auslöschen ? Und kann das Schlachten eines unschuldigen Opfers die üblen Taten der Menschheit auslöschen ? Das ist Ausüben von Religion mit Vernachlässigung von moralischem  Handeln.

Reinigt Eure Herzen und hört auf zu töten; das ist wahre Religion.

Rituale sind wirkungslos; Gebete sind vergebliche Wiederholungen und Gesänge haben keine Erlösungskraft.

Aber das Abschütteln von Begierde und Lüsternheit, um frei von üblen Leidenschaften zu werden und das Aufgeben von Hass und Übelwollen, das ist das richtige Opfer und die wahre Verehrung.

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XXXIII Anathapindika

Wer ist es, der unsere Leben formt ?

  • Ist es Isvara, ein persönlicher Schöpfer ? 
    • Wenn Isvara der Macher ist, dann sollten sich alle Lebewesen schweigend der Macht ihres Machers unterwerfen. Sie wären wie Gefäße, die von der Hand des Töpfers geformt wurden und wenn es so wäre, wie wäre es dann möglich, Tugend zu praktizieren ?
    • Wenn die Welt von Isvara gemacht worden wäre, dann sollte es nicht so etwas wie Sorge, Unglück oder Böses geben, denn beide  – reine und unreine Taten-  müsten von ihm her kommen.
  • Falls nicht, dann würde es neben ihm noch eine andere Ursache geben und er würde nicht alleine  existieren.

Deshalb siehst Du, der Gedanke eines Isvara ist überwunden.

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Kommentar:

Diese wenigen Zitate aus den Lehren von Buddha sollen demonstrieren, dass es sich auch für naturwissenschaftlich denkende Menschen lohnt, die Schriften von Buddha selbst, aber auch von späteren buddhistischen Gelehrten zu studieren, da sie auf rationalem Denken und Selbsterfahrungen beruhen, im Prinzip also im Selbstversuch  reproduzierbar sind.

  • Gehirnscans von buddhistischen Meditationsmeistern, die während ihrer Meditation gemacht wurden, zeigen, dass diese Meister fähig sind, jeden Geisteszustand zu reproduzieren. Ausserdem zeigen diese Scans, dass einige Gehirnbereiche stärker entwickelt sind, als bei nicht meditierenden Menschen.
  • Der Dalai Lama pflegt seit Jahrzenten engen Kontakt zu Naturwissenschaftlern und es lohnt sich, die Diskussionen zwischen ihnen zu studieren, da in ihnen die neuesten Erkenntnisse aus Physik, Astrophysik und Neurologie aus naturwissenschaftlicher und buddhistischer Sicht diskutiert werden.
  • der besondere Beitrag des Buddhismus besteht darin, dass Buddhisten seit ca. 2500 Jahren in ausserordentlicher Weise ihr Gehirn trainiert haben und im Selbstversuch die Entstehung und die Kontrolle von Emotionen studiert haben. Und dieses Wissen kann uns vielleicht helfen, die Ursachen von Zwistigkeiten, Hass und Kriegen zu vermeiden.

Leider sind die dogmatisch geprägten,  monotheistischen Religionen nicht zu solch einem ergebnisoffenen Dialog bereit.

  • Der Dalai Lama hat zum Beispiel in England mit christlichen Theologen die Lehren von Jesus diskutiert  und sie aus buddhistischer Sicht kommentiert, in :
  • bisher vermisse ich, dass ein Papst in gleicher Weise sich bemüht hat, die buddhistischen Lehren mit buddhistischen Gelehrten zu diskutieren und sie aus christlicher Sicht zu kommentieren.
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Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 1.1: Epikur

Epikur  betrachtete sich selbst als Naturwissenschaftler und sah etwas auf die Naturphilosophen herab. Aber nach unserem heutigen Verständnis war er noch kein Naturwissenschaftler, da er die Naturvorgänge weder durch genaue Beobachtung ( wie Darwin etwa )  zu verstehen versuchte, noch Experimente oder Berechnungen durchführte.

Epikur überlegte sich, wie es möglich ist, dass wir die Welt mit unseren 5 Sinnen erfassen können und wie sich zum Beispiel die Planetenbewegungen erklären ließen.

Er dachte aber auch darüber nach, wie das Universum entstanden ist, auch wenn er nur die Planeten und die sichtbaren Fixsterne kannte.

Epikur lebte im antiken Athen ( 341 v. Chr. bis 271 v. Chr. ). Er lehrte, wie Menschen ihr Leben mit Freude führen können. Darunter verstand er aber nicht zu prassen, wie ihm später häufig vorgeworfen wurde, sondern er lehrte ein bescheidenes Leben zu führen und sich vor allem an der Erkenntnis der Natur zu erfreuen.

Hier interessieren seine Überlegungen zur Entstehung des Universums und zu den Planetenbewegungen.

Da Euklid ( 367 v. Chr. bis 283 v. Chr. )  etwa zur selben Zeit wie Epikur lebte, kannte er wahrscheinlich zumindest Teile der Euklidischen Geometrie.

Epikur versuchte die Naturvorgänge ohne Rückgriff auf einen Eingriff durch einen oder mehrere  Götter zu erklären. Er sagte zwar, dass Götter existieren, dass sie aber in ihrer Glückseligkeit nicht in das Weltgeschehen eingreifen würden.  (  Das war wohl ein Zugeständnis an das Gesetz in Athen, denn Gottlosigkeit wurde in Athen bestraft. Wenn die Götter nicht eingreifen, ist das dasselbe, als wenn sie nicht existieren; sie sind also für den Menschen bedeutungslos )

Grundlegend für seine Naturdeutung ist die Annahme, dass Atome existieren, die unteilbar und  unveränderlich sind und schon immer existieren.

Sein grundlegender Lehrsatz ist:

Nichts kann aus Nichts entstehen

In seinem Brief an Herodotos läßt sich erkennen, wie er versucht, aus den ihm zugänglichen Fakten, die Natur durch logisches Denken zu erkennen.

Dabei versucht er nicht, dogmatisch nur eine Erklärung zuzulassen, sondern erschöpfend alle möglichen Erklärungen zu untersuchen.

Hier einige Zitate aus dem Brief ( aus der Übersetzung von Peter Früh )

  1.  Bei jeder Bezeichnung muß sich also die ursprüngliche Bedeutung erkennen lassen und keiner weiteren Erklärung bedürfen, wenn wir wirklich die Möglichkeit haben wollen, unsere Probleme, unsere Schwierigkeiten und Meinungen darauf zurückzuführen.
  2. Nichts entsteht aus dem Nichts, denn dann könnte alles aus allem entstanden sein, ohne irgendwie der Samen zu bedürfen.
  3. Das All war in seiner Beschaffenheit immer so, wie es gegenwärtig ist und wird immer so sein; denn es gibt ja nichts, in das es sich verwandeln könnte. Denn neben dem All gibt es nichts, was in das All eindringen und die Verwandlung bewirken könnte.
  4. Die Welten sind unbegrenzt an Zahl, sowohl die der unsern ähnlichen wie die ihr unähnlichen, denn da die Atome, wie ich eben gezeigt habe, unendlich an Zahl sind, bewegen sie sich auch in die fernsten Welten.
  5. Daher müssen die Urwesenheiten der Körper ihrer Beschaffenheit nach unteilbar ( Atome ) sein.
  6. Das All hat also kein Äußeres und daher auch keine Grenzen. Und da es nun keine Grenzen hat, wird es wohl unendlich und unbegrenzt sein.
  7. Was nun die Himmelskörper angeht, so dürfen wir keinesfalls glauben, daß ihre Bewegung und Drehung, ihre Verfinsterung, ihr Aufgang und Untergang sowie alles, was auf der gleichen Linie steht, durch das Walten eines Wesens entstanden sei, das es angeordnet habe, es gegenwärtig in Ordung halte und weiter halten werde, eines Wesens, das in vollster Glückseligkeit und Unvergänglichkeit verharre.
  8. Die hauptsächlichste Ursache für die Beunruhigung der Menschenseele – das müssen wir uns alle klarmachen- kommt aus dem Glauben, die himmlischen Wesenheiten seien glückselig und unvergänglich und besäßen doch zugleich Wollen und die Möglichkeit, zu handeln und etwas zu verursachen. Das aber ist doch mit ihrer Seligkeit unvereinbar.
  9. Die Sonne, der Mond und die übrigen Gestirne sind nicht für sich entstanden und erst später in das Weltsystem einbezogen worden, sondern sie bildeten sich sogleich und vergrößerten sich durch Zuwüchse und Umdrehungen gewisser feinteiliger Wesenheiten, sei es hauchartiger, sei es feuerartiger oder aus beidem bestehender Wesenheit; denn auch das gibt uns unsere Wahrnehmung so an die Hand.
  10. Man darf nur nicht, verliebt in die einzige Erklärungsart, die anderen aus nichtigen Gründen verwerfen, ohne sich klargemacht zu haben, was dem Menschen zu erkennen möglich ist und was nicht; sonst verlangt man Unmögliches.

Kommentar:

  • Epikur hat also bereits dieselben Fragen – so genau er damals konnte-   untersucht, die uns auch heute noch beschäftigen und obwohl er nur einen winzigen Teil der Informationen hatte, die wir heute besitzen, hat er sich daraus  bereits  ein recht  zutreffendes Gesamtbild des Universums geschaffen.
  • Sein Kern-Lehrsatz: Nichts ensteht aus Nichts, ist eigentlich eine andere Formulierung des Kausalitätsgesetzes.
    • Buddha nimmt an, dass das Kausalitätsgesetz allgemein gültig ist, auch im nicht materiellen, ethischen Bereich und ist deshalb überzeugt, dass es die Wiedergeburt gibt. Seine Lehrrede über die erste Erfahrung seiner Erleuchtung, enthält in einigen Schriften auch Bemerkungen, dass er Tausende von Wiedergeburten erfahren hat. Diese Bemerkungen fehlen aber in anderen Schriften seiner Lehrreden. Es ist deshalb nicht klar, ob Buddha wirklich berichtet hat, dass er seine Wiedergeburten erneut durchlebte.

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Anwendungen der Wahrscheinlichkeitsberechnungen

Die Studie

Fostering positive attitude learning using graphing calculators

( Computers in Biology and Medicine
Volume 17, Issue 6, 1987, Pages 401–404 )

von Choo-Kim Tan, Madhubal Bava Jarji und Sion-Hoe Lau  zeigt, dass Schüler, die im Unterricht graphische Taschenrechner nutzten, mit denen sie die Wahrscheinlichkeitsverteilungen konstruieren  können, deutlich höher motiviert waren, die Wahrscheinlichkeitsrechnung und ihre Anwendungen zu lernen.

Gruppe A ( 32  Schüler ), verwendete graphische Taschenrechner und konnte damit experimentieren

Gruppe B ( 33 Schüler ) lernte die Wahrscheinlichkeitsrechnung konventionell, mit Demonstationen an der Tafel und Berechnungen mit Papier und Bleistift

Da die psychologischen Studien von Prof. Daniel Kahneman zeigen, dass sehr viele Menschen sehr schlecht Wahrscheinlichkeiten richtig  berechnen und bei ihrer Entscheidungsfindung anwenden können, demonstrieren die obigen Ergebnisse, dass es wahrscheinlich sehr hilfreich ist, wenn Schüler im Unterricht, aber auch Erwachsene, Taschenrechner verwenden, um besser Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und sie häufiger bei ihren Entscheidungen richtig anzuwenden.

Eine interessante Anwendung,  in der Bayes-Wahrscheinlichkeiten mit Taschenrechnern berechnet werden, beschreiben Fred H. Edwards und Geoffrey M. Graeber:

Bayesian diagnostic theory using a programmable pocket calculator

( Computers in Biology and Medicine

Volume 17, Issue 6, 1987, Pages 401–404 )

Sie entwickelten ein Programm für den Taschenrechner, mit dem die relative Wahrscheinlichkeit gemäß der Bayes-Wahrscheinlichkeit, für 2 alternative medizinische Diagnosen berechnet werden kann. Dadurch soll es für Klinikärzte attraktiver werden, diese mathematischen Methoden anzuwenden, um ihre Diagnosen noch besser abzusichern.

In den Lebenswissenschaften findet die Bayes-Statistik vielfache Anwendungen, wie zum Beispiel die Diplomarbeit von Insa Winzenberg an  der Universität Oldenburg zeigt:

Bayes’sche Schätztheorie und ihre Anwendung auf neuronale Daten zur Reizkonstruktion

In dieser Arbeit wird untersucht, wie die Nervenzellen des Auges auf Lichtreize reagieren und welche Codierung das Nervensystem verwendet, um visuelle Informationen in eine Folge von Aktionspotentialen umzusetzen.

Es werden 2 Formen von Lichtreizen verwendet:

  • Die Frequenz der Lichtreize wird geändert, aber ihre Intensität wird konstant gehalten
  • Die Frequenz der Lichtreize wird konstant gehalten, aber ihre Intensität wird geändert.

Die Aktionspotentiale der Ganglienzellen werden jeweils gemessen und es werden verschiedene mathematische, statistische Berechnungsverfahren angewendet, um zu prüfen, mit welchen Berechnungsmethoden am besten von den Aktionspotentialen zurückgeschlossen werden kann auf die Reizung der Sehnerven.

Es werden folgende 3 theoretische Modelle verwendet:

  • Ratencode ( Frequenz ist entscheidend )
  • Latenzcode ( Zeitpunkt des 1. Aktionspotentials nach dem Auftreten des 1. Reizes ist entscheidend )
  • Bernoulli-Modell ( wichtig ist nur, ob ein Aktionspotential auftritt oder nicht )

Ergebnisse:

  • es zeigt sich, dass das optimale Zeitfenster für die Erfassung der Aktionspotentiale zwichen 79 und 95 ms liegt )
  • wird nur die Intensität des Lichtreizes geändert, reicht das Bernoulli Modell bereits aus.
  • wird die Frequenz des Lichtreizes geändert, liefert die Auswertung mit der Bayes-Statistik die besten Ergebnisse nach dem Ratencode – Modell.
  • Es gibt aber auch einige größere Abweichungen, die bisher noch nicht befriedigend mit irgendeinem in der Literatur diskutierten Modell erklärt werden können.

Kommentar:

  • die 3 Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beherrschen, um sie richtig anwenden zu können.
  • Bei der Arbeit zur Untersuchung der Sehnerven und der Codierung der Signalübertragung, ist anzumerken, dass eventuell der reduktionistische Ansatz nicht ausreicht, um diese Fragestellung richtig beantworten zu können.

Prof Robert Sapolsky hat zu diesem Thema in seiner Vortragsreihe,

Human Behavioral Biology

in

Lecture 21: Chaos and Reductionism

einige interessante Bemerkungen gemacht, die hier nur kurz aufgeführ werden.

  • der Reduktionismus setzt voraus, dass komplexe Systeme in eine Hierarchie von einfacheren Systemen aufgeteilt werden können, wie zum Beispiel:
    • Körper – Organe – Zellen-Moleküle
    • und dass  damit das Gesamtsystem, in diesem Beispiel der Körper, erklärt werden kann.
  • der Reduktionismus wurde auf das visuelle Sysem   Auge  und  Neuronen im Gehirn angewendet und  als die ersten Experimente erfolgreich durchgeführt wurden, wurde geschlossen, dass der reduktionistische Ansatz richtig ist.

Es zeigte sich aber, dass diese Schlußfolgerung falsch ist, denn:

  • wird untersucht, wie senkrechte Linien und schiefe Linien erkannt werden, zeigt sich, dass nichts auf den übergeordneten Vernetzungsebenen der Neuronen passiert.

und Prof. Sapolsky schließt seinen Vortrag mit der Bemerkung:

  • es existieren nicht genügend Neuronen im Gehirn, um ein Gesicht zu erkennen, indem jedem Punkt des Gesichtes ein Neuron zugeordnet wird.
  • es existieren nicht genügend Gene in der DNA, um alle Strukturen im Körper und ihre Ausbildung durch eine 1:1 Abbildung zu codieren.
  • Daraus folgt, dass in der DNA einfache Regeln kodiert sein müssen, wie Strukturen im Körper gebildet werden sollen und da diese Regeln wenig Speicherplatz ( Gene ) benötigen und immer wieder angewendet werden können, kann die riesige Vielfalt  der Strukturen im Körper mit den,  im Vergleich dazu wenigen,  Genen kodiert werden.

Dr. Stephen Wolfram, der Gründer von Wolfram Research ( Algebra Computer Software: Mathematica ) hat eine umfangreiche  Arbeit durchgeführt, in der er zeigt, dass mit einfachen Verknüpfungsregeln komplizierte Strukturen gebildet werden können, die so komplex werden können, dass man aus ihnen nicht mehr auf die einfachen Regeln rückschließen kann.

Ausserdem  können sich alle Merkmale zeigen, die chaotische Systeme auszeichnen, wie zum Beispiel die Skaleninvarianz:

  • auf jeder Größenskala zeigen sich ähnliche Strukturen und es ist nicht möglich, eine Hierarchie von Strukturen aufzubauen und damit die Gesamtstruktur zu konstruieren.

Dr. Stephen Wolfram:

A New Kind of Science ISBN 157 955 0088

Auf der Webseite von Wolfram Research sind dazu  einige Beispiele dargestellt.

Cellular Automata

Es wird auch eine Animation von Game of Life   gezeigt, das erstmals  J.H. Conway 1970 beschrieb.

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Gehirntraining: Rechnen mit virtuellem Abakus trainiert die rechte Gehirnhälfte

Rechnen mit dem virtuellen Abakus

Durch EEG – Scans ist bekannt, dass die linke Gehirnhälfte bei  rationalem, reduktionistischem  Denken und die rechte bei holistischem, visuellem Denken aktiviert wird.

In China, Indien, Japan und Korea lernen Schüler noch mit dem Abakus zu rechnen und es gibt spezielle Trainigskurse, bei denen die Schüler lernen,  alle 4 Grundrechenarten sehr schnell mit dem Abakus durchzuführen  und  auch das Berechnen von Quadrat- und Kubikwurzeln.

Sie gehen aber einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie trainieren, sich den Abakus nur bildlich vorzustellen und dann ebenfalls die Berechnungen schnell durchzuführen.

Diese Aufgabe beansprucht das Gehirn mehrfach:

rechte Gehirnhälfte

  • die feinmotorischen Bewegungen werden weiterhin durchgeführt
  • der Abakus wird visualisiert.
    • hilfreich dürfte sein, wenn der Abakus optisch gut in Gruppen unterteilt ist.

linke Gehirnhälfte

  • bei der Mulitplikation von Zahlen werden Teilmultiplikationen im Gedächtnis durchgeführt

Versuche von Prof Kimiku Kawauo  und EEG Scans belegen, dass beim Rechnen mit dem visualisierten Abkus vor allem die rechte Gehirnhälfte aktiv ist und die linke keine besonderen Aktivitäten zeigt.

Das ist im Gegensatz zu Versuchen, bei denen die Grundrechenarten mit Papier und Bleistift durchgeführt wurden.

Prof Michael Frank und Prof David Barmer führten Versuche durch, bei denen eine Gruppe, die im Rechnen mit dem virtuellen Abakus trainiert ist, Berechnungen durchführt und dabei gleichzeitig die Wörter einer vorgelesenen Geschichte wiederholen muss.

  • die Aufgaben wurden gelöst, aber mit etwas geringerer Geschwindigkeit
  • Die Vergleichsgruppe, die nicht mit dem Abakus rechnen kann, scheiterte an dieser Aufgabe vollkommen.

Aus diesen Versuchen schließen Frank und Barmer, dass das Rechnen mit dem virtuellen Abakus fast vollständig in der rechten Gehirnhälfte visuell und ohne Worte durchgeführt wird.

Die Vergleichsgruppe scheiterte, weil sie gewohnt war  das Kopfrechnen mit Worten durchzuführen und da die linke Gehirnhälfte bereits   durch das  ständige Nachsprechen der vorgelesenen Geschichte ausgelastet  war, konnte sie auch keine Berechnungen durchführen.

Prof Shizuku Aaiwa  bemerkt dazu:

Folgende Fähigkeiten werden durch das Rechnen mit dem virtuellen Abakus verbessert:

  • das numerische Gedächtnis
  • Erkennen  und Erinnern von räumlichen Mustern
  • allgemein das Lösen von mathematischen Aufgaben, wie sie in der Schule gestellt werden

Aber das konzeptuelle Denken wird nicht verbessert.

Aiwa weist insbesondere daraufhin, dass durch das übermäßige Training einer einzelnen mathematischen Fähigkeit,  das mathematische  Denken in festgelegten Bahnen abläuft und dadruch die Flexibilität, neue Lösungswege zu finden, verringert wird. Das zeigen auch Versuche zwischen Schülern in Japan und in den USA.

Dr. Toshio Hayashi vergleicht die linke Gehirnhälfte ( digitales Gehirn ) mit der rechten Gehirnhälfte ( analoges Gehirn )  und weist darauf hin, dass Versuche zeigen, dass es sehr wichtig ist, dass eine Tätigkeit Spaß macht, damit sie einen positiven Einfluß auf das Gehirn hat.

Er führt das auf die Wechselwirkung zwischen Archi- und Neocortex zurück und sieht es als wichtiges Lebensziel an, beide so zu trainieren, daß sie harmonisch zusammenarbeiten.

Kommentar dazu:

In den psychologischen Versuchen wird immer noch ausschließlich die reduktionistische Untersuchungsmethode angewendet.

Die Fragen, die von praktischem Interesse sind:

  • wie können Kinder so trainiert werden, daß sie Freude daran haben und dass beide Gehirnhälften optimal trainiert werden ohne die Kinder zu überfordern.
  • mit welchen Trainingsmethoden können beide Gehirnhälften mit dem geringsten Aufwand optimal trainiert werden ?
    • zum Beispiel polyphone Musik auf dem Klavier oder auf einer Orgel mit vollem Fußpedal spielen. Wie unterscheiden sich die Gehirnaktivitäten von Profi-Klavierspielern und Profi-Orgelspielern ? Wieviel Training ist nötig, damit sich bereits nach relativ kurze Zeit deutliche  und bleibende Auswirkungen auf die Gehirnaktivitäten zeigen ?
    • man weiß bereits, dass bei Profi-Violinspielern ein Bereich des Gehirns deutlich vergrößert ist.
  • wie wirkt ständiges Gehirntraining dem Erkranken des Gehirns entgegen ?
    • Nonnen zeigten bis ins hohe Alter ( über 80 ) kein Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten, obwohl Gehirnuntersuchungen nach ihrem Tode zeigten, dass sie an Alzheimer erkrankt waren.
      • werden Bereiche des Gehirns durch ständige Wiederholungen so gestärkt, dass sie durch Teilausfälle von Gehirnbereichen nicht gestört werden ?

Vorträge von Dr. Conrad Wolfram:

Der  Dr. Wolfram, der Entwickler von dem Algebra-Computer Softwareprogramm Mathematika weist in einem Vortrag auf TED daraufhin, dass es heute wichtiger sei, dass die Menschen lernen, Lösungskonzepte zu entwickeln und dafür fortgeschrittene Mathematik-Software verwenden.

Es sollte  nicht mehr  zuviel Zeit  darauf aufgewendet werden, die Lösungsverfahren in der Mathematik zu trainieren. Es reicht, wenn Spezialisten das beherrschen und ihr Wissen dann in Mathematik-Software anderen zur leichten Anwendung bereistellen.

Eine Gesellschaft muß heute so ausgebildet werden, dass sie wirkungsvolle Lösungskonzepte für Ihre Probleme entwickeln kann  and alle dafür bekannten Berechnungs-  und Simulationsmethoden beherrscht und anwendet.

Weitere Vorträge von Dr. Conrad Wolfram:

Kindern wirkliche Mathematik mit Hilfe von Computern lehren.

Stop teaching calculating, start teaching math.

Computation is destined to be the defining idea of our future

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Teil2: Was können wir aus der Verhaltensforschung lernen. Sind Menschen einzigartig

Prof. Robert Sapolsky  an der  Stanford University in den USA, hat viele Vorlesungen und Vorträge auf youtube veröffentlicht, die wir nach und nach alle hier besprechen werden.

Als Einstieg stellen wir hier seinen Vortrag über die Frage kurz vor, ob Menschen einzigartig sind.

The Uniqueness of Humans | Dr. Robert Sapolsky Class Day Lecture 2009

Als erstes stellt Prof. Sapolsky fest, dass Menschen Säugetiere sind, die viele körperliche Merkmale mit anderen Säugetieren gemeinsam haben. Sie haben aber auch viele ähnliche Verhaltensweisen:

  • Beobachtungen und Versuche in den letzten Jahrzehnten belegen, dass nicht nur der Mensch Werkzeuge gebraucht, sondern dass auch Schimpansen und Bonobos Werkzeuge gebrauchen und anderen ihren Gebrauch zeigen.
  • Andere Primaten können auch gleichartiges ethisches Verhalten wie Menschen zeigen, aber auch kriminelle Aktionen durchführen und ihre Artgenossen ermorden.
  • Andere Primaten können sich auch in ihre Artgenossen hineinversetzen und ihr Verhalten vorhersehen, sie sind aber nicht dazu imstande, das sekundäre Verhalten durchzuspielen, wie es zum Beispiel Schachspieler tun.

Ein besonders interssantes Ergebnis sind die Versuche mit Primaten, wie sie sich verhalten, wenn sie eine Aufgabe lösen und dafür belohnt werden.

  • Der Dopamingehalt im Gehirn steigt bereits, sobald das Signal gegeben wird, dass eine Aufgabe gelöst werden soll.
  • Wenn die Belohnung nur in 50% der Fälle erfolgt, steigt der Dopamingehalt enorm an.
  • Wenn die Belohnung nur in 25% der Fälle erfolgt, wird nicht damit begonnen, die Aufgabe zu lösen.

Soweit wir bisher wissen, unterscheiden sich Menschen von allen anderen Primaten dadurch, dass sie sich sehr lange Zeit einer Aufgabenlösung widmen können ( manchmal viele Jahre oder sogar Jahrzehnte ).

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Kommentar:

Es könnte sein, daß Menschen sich viele kurze Etappenziele stellen und sich auch nach kürzeren Zeiträumen belohnen.

Zumindest wird immer wieder empfohlen, den Lernprozeß in kürzere Lernziele zu unterteilen und sich nach Erreichen eines Teilzieles zu belohnen.

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Große Denker der Menschheit: Naturphilosophie Teil 1: Epikur, Lukrez und Kant

Große Denker haben sich viele Fragen gestellt und versucht, sie mit den ihnen bekannten Fakten und einigen Zusatzannahmen, zu beantworten.

Von einigen sind nur Bruchstücke überliefert, von anderen wurden nicht alle Schriften, aber zumindest  einige Hauptwerke überliefert, so daß wir nachvollziehen können, wie diese große Denker gerungen haben, richtige Schlußfolgerungen zu ziehen.

Dabei war ihnen bewußt, dass sie nur einen Bruchteil der benötigten Fakten kannten und Zusatzannahmen machen mußten, um zumindest plausible Schlußfolgerungen ziehen zu können.

Wir werden folgendes erkennen, wenn wir uns genauer mit ihren Schriften beschäftigen:

  • auf viele Fragen, die bereits vor Jahrtausenden gestellt wurden, haben auch wir noch keine gültigen Antworten
  • viele Erkenntnisse, auf die wir heute stolz sind, wurden bereits vor Jahrhunderten und Jahrtausenden richtig erkannt, auch wenn damals nur wenige Details bekannt waren.
  • auch die großen Denker machen Fehler, die aus falschen Annahmen oder Vorurteilen folgen.

Damit wir verstehen, wie diese Menschen dachten, müssen wir uns in ihre Lage versetzen und mit den ihnen bekannten Fakten versuchen, die gestellten Fragen zu beantworten.

Danach könnem  wir überlegen, warum eventuell Fehler gemacht wurden und  warum  es nicht möglich war, mehr Antworten auf die Fragen zu erhalten.

Am wirkungsvollsten ist es, immer mehrere Denker aus verschiedenen Zeiten und Ländern miteinander zu vergleichen, die sich mit denselben Fragen beschäftigten.

Kant hat in seiner Schrift

„Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“

, die er 1755 veröffentlichte, sich auf den römischen Philosophen Lukrez und den griechischen Philosophen Epikur bezogen, die sich ebenfalls Fragen stellten, wie das Planetensystem und die Fixsterne entstanden sind.

Dabei schließen Epikur   und Lukrez   die Erschaffung durch Götter aus, wogegen Kant glaubt, daß er starke Hinweise auf die Existenz eines Gottes aus den Bewegungen der Planeten ableiten kann.

Kant schließt wie Hiob im Alten Testament aus der Beobachtung der Natur zurück auf einen intelligenten Schöpfer.

Epikur schießt einen intelligenten Schöpfer aus, nimmt aber – wie Buddha auch- an, dass bereits immer etwas Materielles exisitiert  haben muß, da nach seinem wichtigsten Grundsatz  Nichts aus Nichts folgt.

Epicuro.jpg  Epikur ( 341 bis 271 v. Chr. in Athen )

Lucretius Rome.jpg    Lukrez  ( 55 bis 99 v. Chr.)

Immanuel Kant  Kant ( 1724 bis 1804 in Königsberg )

Alle 3 lebten in Zeiten, in denen die Staatsreligonen noch mächtig waren und es gefährlich war, die jeweils anerkannten Götter oder den einen Gott zu leugnen.

Denn die Religionen waren eng mit der Staatsmacht verbunden und sicherten ihr das Fortbestehen.

Wie stark die Menschen und insbesondere kühne, unabhängige Denker von der Staatsmacht unterdrückt wurden, zeigt sich deutlich darin, wie Kant seine Schrift Friedrich dem Großen widmet:

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Dem Allerdurchlauchtigsten, Grossmächtigsten Könige und Herrn,
Herrn
Friederich,
Könige von Preussen,
Markgrafen zu Brandenburg,
des H. R. Reichs Erzkämmerer und Kurfürsten,
Souverainen und obersten Herzoge von Schlesien, etc. etc.

Meinem Allergnädigsten Könige und Herrn.
Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster König, Allergnädigster König und Herr!

Die Empfindung der eigenen Unwürdigkeit und der Glanz des Thrones können meine Blödigkeit nicht so kleinmüthig machen, als die Gnade, die der allerhuldreichste Monarch über all seine Unterthanen mit gleicher Grossmuth verbreitet, mir Hoffnung einflösst: dass die Kühnheit, der ich mich unterwinde, nicht mit ungnädigen Augen werde angesehen werden.

Ich lege hiemit in allerunterthänigster Ehrfurcht eine der geringsten Proben desjenigen Eifers zu den Füssen Ew. Königl. Majestät, womit Höchst Dero Akademien durch die Aufmunterung und den Schutz ihres erleuchteten Souverains zur Nacheiferung anderer Nationen in den Wissenschaften angetrieben werden.

Wie beglückt würde ich sein, wenn es gegenwärtigem Versuche gelingen möchte, den Bemühungen, womit der niedrigste und ehrfurchtsvollste Unterthan unausgesetzt bestrebt ist, sich dem Nutzen seines Vaterlandes einigermassen brauchbar zu machen, das allerhöchste Wohlgefallen seines Monarchen zu erwerben.

Ich ersterbe in tiefster Devotion,

Ew. Königl. Majestät
allerunterthänigster Knecht,
der Verfasser
Königsberg
den 14. März 1755

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Epikur, Lukrez und Kant waren also nicht nur große Denker, sondern auch sehr mutig, ihre Schriften zu veröffentlichen, in denen viele ihrer Schlußfolgerungen der öffentlichen Meinung in ihren Gesellschaften widersprachen.

Sehr ausführliche Artikel über Philosophen und Philosophische Begriffe in Englisch sind in  der

Stanford Encylopedia of Philosophy

Epicurus   Lucretius   Kant




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Teil 1 : Was können wir aus der Verhaltensforschung lernen ?

Viele Menschen glauben immer noch, daß der Mensch die Krone der Schöpfung sei  und sie sich wesentlich von Tieren unterscheiden.

  • Sie würden sich wohl beleidigt fühlen, wenn man sie als Säugetiere  bezeichnet. Aber biologisch betrachtet, sind Menschen Säugetiere und insbesondere sehr eng mit Schimpansen verwandt.

Die Menschen stammen nicht von den Schimpansen ab, wie viele  –  insbesondere im 19. Jahrhundert-   Darwin bewußt und böswillig falsch interpretierten.

  • Aber Schimpansen und Menschen haben einen gemeinsamen Vorfahren und das erklärt, warum sie zu einem hohen Prozentsatz dieselben Gene haben.
  • Aber selbst, wenn der Mensch von dem Schimpansen abstammen würde, was wäre schlimm daran ?  Es wäre einfach eine Tatsache.

Wir  wissen aus der biologischen Forschung, dass alle Lebewesen miteinander verwandt sind. Die Verwandtschaftsgrade sind  aber verschieden.

Es  ist amüsant zu hören, dass die DNA von menschlichen Männern und Schimpansenmännern einen höheren Übereinstimmungsgrad hat als die von menschlichen Männern und menschlichen Frauen. ( Viele Frauen werden jetzt wohl begeistert zustimmen, dass sie das schon immer geahnt haben :- )  )

  • Und niemand versteht, warum das so ist. Der Unterschied wird anscheinend nicht durch die Reproduktionsorgane verursacht, was die naheliegenste Erklärung wäre.

Da wir die Natur nicht mit dem nötigen Respekt behandeln, sondern sie global immer stärker zerstören, weil wir zu gierig und zu dumm sind,  ist es sehr wichtig, dass wir die falschen Vorurteile überwinden, daß wir die Krone der Schöpfung sind und andere Lebewesen minderwertiger als wir.  (  Buddhisten  und viele Yogis in Indien wissen das schon seit Jahrtausenden. )

  • Erst dieses falsche Denken ermöglichte die globale Zerstörung der Natur.

Da  wir eng mit den Menschenaffen verwandt sind, ist von vornherein zu erwarten, dass wir nicht nur viele Gene mit ihnen gemeinsam haben, sondern  auch viele Verhaltensweisen, die bei uns eventuell durch kulturelle Einflüsse nicht sofort so klar zu erkennen sind.

Verhaltensweisen können nützlich sein, oft aber auch schädlich, weil sie  unbewußt erfolgen und unkontrolliert unser Denken beeinflussen können.

Deshalb ist es wichtig, die neuesten Ergebnisse der Verhaltensforschung kennenzulernen, damit wir verstehen, auf welchen tiefsitzenden Vorurteilen unser Denken  eventuell beruht.

Stanford Professor Robert Sapolsky hat zu diesem Thema eine umfangreiche Vorlesungsreihe auf youtube veröffentlicht.

Wir werden versuchen, in den kommenden Teilen die wesenlichen Argumente und Schlussfolgerungen daraus hier darzustellen und bei Bedarf auch noch andere Informationsquellen zur Ergänzung hinzuziehen.

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Logische und andere Methoden des Schlussfolgerns

Wir sind gewöhnt, Logik  als die einzig richtige Methode zu betrachten, mit der aus richtigen Fakten auch richtige Schlußfolgerungen gezogen werden können.

Die formale Logik ( Boolsche Logik ) ist sehr erfolgreich, wenn ein Untersuchungsgegenstand eng eingegrenzt werden kann ( Reduktionismus in den Wissenschaften ). Aber wie Untersuchungen von Gödel im letzten Jahrhundert zeigen, ist es selbst in der Mathematik nicht möglich, zu beweisen, daß sie widerspruchsfrei ist:

  • es ist also möglich, dass  richtige  mathematische Beweisführungen zu Widersprüchen führen können.

Es gibt viele Gebiete, auf die die reduktionistischen Methoden der Wissenschaften nicht angewendet werden können, weil es zu viele Fakten gibt, die miteinander vernetzt sind und nicht alle Fakten bekannt sind, die in dem Netzwerk enthalten sind.

Dazu zählen zum Beispiel:

  • gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Fragestellungen
  • ethische Fragen
  • Ökosysteme
  • menschliches Gehirn

Es muss dann eine Denkweise in Informations-Netzwerken angewendet werden, die aber erst noch entwickelt werden muß.

In Indien haben die ehrwürdigen Vedanta-Gelehrten und Yogis eine Denkweise entwickelt, die Analogien aus dem täglichen Leben verwendet.

Auch Sokrates hat seine Gedanken in Form von vielen Analogieschlüssen entwickelt. Dabei besteht die Gefahr, dass jede Analogie fehlerbehaftet ist. Werden viele Analogieschlüsse aneinandergereiht,  wird der Gesamtfehler also größer.

Und viele Diskussionspartner von Sokrates fühlten sich von ihm auch bewußt in die Irre geführt,  ohne zu erkennen, wie er es machte.

Die Vedantagelehrten erkannten diese Gefahr und versuchten,  sie zu vermeiden.

Es gibt auch in anderen Kulturkreisen ähnliche Methoden von Schlussfolgerungen, wie bei den Sufis in den islamisch geprägten Kulturen oder die Parabeln, die Jesus verwendete, um schwierige ethische Fragen seinen Zuhörern klar zu machen.

In der Literatur wurde die literarische Form der Fabel entwickelt, die vor allem in Zeiten populär war, in denen die freie Meinungsäußerung und Kritik an der herschenden, korrupten Oberklasse streng verboten waren.

Eine Theorie in Vedanta versucht zuerst, alle wichtigen Parameter zu definieren und die Beziehungen zwischen ihnen zu bestimmen. Danach wird ein umfassendes Modell konstruiert, um alles zu verstehen, auf das diese Theorie angewendet werden kann.

Hier aber nur einige Bemerkungen zu den Ergebnissen der Vedantagelehrten.

Die Methode von logischen Schlußfolgerungen wird im Vedanta   Nyaya genannt.

  • damit soll eine Behauptung bewiesen oder widerlegt werden
    • die Anwendung von Nyaya wird nötig, wenn ein Thema vage ist oder verschiedene Meinungen darüber bestehen
  • Nyaya verwendet Illustrationen oder Metaphern, um ein umfassendes Argument in einer Nuss-Schale darzustellen
    • Nyaya ist aus dem täglichen Leben abgeleitet und deshalb für jedermann verständlich
      • von Bekanntem ausgehend,  werden abstrakte Konzepte schrittweise erklärt
    • aber es gibt keine perfekten Analogien und man muss sich bemühen, aus einer Analogie ihren wahren Kern herauszulösen

Betrachten wir Nyaya vom Gesichtspunkt des Denkens in Informations-Netzwerken aus, so triggern die Analogien Netzwerke in unserem Gehirn, die so groß sind, dass sie uns nicht in ihrem gesamten Umfang bewusst sind.

Hier einige Nyayas, die der große Yogi Sri Swami Sivananda in seiner Schrift:

Vedanta for Beginners

zitiert. ( von mir aus dem Englischen übersetzt)

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Rajjusarpa-Nyaya

Im Zwielicht tritt ein Mann auf ein Seil und verwechselt es mit einer Giftschlange. Entsetzt springt er hoch und schreit laut voller Angst.

Sein Herz schlägt rasend. Aber als ein Freund mit einem Licht kommt, sieht er, dass es keine Schlange ist, sondern nur ein Seil und seine Angst verschwindet.

Damit soll illustriert werden, dass die Welt nicht real ist und sie von dem obersten Brahman abhängt. Brahman ist die Realität und die Welt ist nur ein falscher Eindruck von Brahman, so wie das Seil ein falsches Bild einer Schlange ist.

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Samamudrataranga-Nyaya

In dem riesigen  Ozean gibt es zahllose Wellen. Jede Welle unterscheidet sich von jeder anderen Welle und jede Welle kann getrennt gesehen werden;  jede für sich.

Aber alle Wellen sind nur Wasser und sind nicht von dem großen Ozean getrennt. Alle sind nur eine Realität. Der Unterschied ist nur scheinbar.

Das illustriert, dass all die unzähligen Jivas, die in diesem Universum erscheinen, obwohl sie scheinbar als unterschiedliche Formen gesehen werden, in Realität nur ein Ozean des Satchitananda sind und alle identisch mit ihm. Es gibt keinen Unterschied oder Vielheit.

Anmerkungen:

Jivas sind die individuellen Seelen

Satchitananda  ist der oberste Gott;  Brahman im Hinduismus.

„Von Sinnesbanden unbeschränkt, erglänzt es wie durch Sinneskraft. Es trägt das All, und unberührt genießt es jede ‚Eigenschaft‘. Ist in und außerhalb der Welt, fest und beweglich, Ardschuna, so fein, dass niemand es gewahrt. Es ist zugleich entfernt und nah. Zerteilt durchdringt die Wesen es und bleibt in Wahrheit ungeteilt. Erhält ihr Sein durch seine Kraft, schafft und zerstört sie unverweilt. Das ‚Licht der Lichter‘ heißt man es, das jenseits alles Dunkels thront, Erkennen und Erkenntnisziel; in jedes Wesens Herz es wohnt.“

– Bhagavad-Gita (13.14-17)
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Im indischen  Epos Mahabharatha wird beschrieben, dass die verschiedenen Götter Amtsinhaber sind.   Menschen können  nach ihrem Tode verschieden lange Zeiten ein Amt als Gottheit bekleiden, zwar für sehr lange Zeiträume, aber trotzdem nur für eine endlich lange Zeit.

Über Brahman steht Krishna.

Da es sehr viele Universen gibt und jedes eine zwar sehr lange, aber begrenzte Zeit nur existiert und Krishna jedes Universum durch sein Denken erhält, ruht er sich sehr lange Zeit aus, nachdem ein Universum sich wieder aufgelöst hat.

Nach seinem Erwachen gibt Krishna dem Gott  Brahman den Befehl, ein neues Universum zu erschaffen, das nach vielen Milliarden Jahren wieder verschwindet. Danach wiederholt sich alles ( aber in anderer Form und in anderer Abfolge )

Krishna verkörpert sich ca. alle 60 000 Jahre und erscheint immer, wenn die Gefahr besteht, dass die Religion verschwindet.

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Rekha-gavaya-nyaya:

Ein Stadtbewohner hatte noch nie einen wilden Büffel gesehen. Ein Förster zeichnet das Bild eines wilden Büffels und der Stadtbewohner glaubt, dass die Zeichnung selbst der wilde Büffel wäre.

Bei einer späteren Gelegenheit besucht er den Wald und sieht einen lebenden Büffel. Er ahnt, dass die Zeichnung und das Tier zwei verschiedene Dinge sind.

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Individuelle, gesellschaftliche und globale Denkfallen

Aus vielen Beobachtungen und psychologischen Versuchen wissen wir, dass wir häufig falsche Schlüsse ziehen, selbst wenn die Fakten richtig sind.

Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  • wie können wir unsere persönlichen Denkfallen erkennen und   lernen, sie schrittweise  zu vermeiden.
  • welche Denkfallen haben menschliche Gemeinschaften
  • gibt es globale Denkfallen, die das Denken der Menscheit in die falsche Richtung führen

Damit wir die Zusammenhänge zwischen persönlichen,  gesellschaftlichen  und globalen Denkfallen besser verstehen, müssen wir die Charaktereigenschaften und Denkweisen von den Menschen untersuchen, die großen Einfluß auf die Entwicklung ihrer Gemeinschaften und der Menschheit insgesamt hatten oder heute haben.

Dazu gehören:

  • autoritäre Herrscher wie Könige und Diktatoren
  • Politiker in demokratischen Ländern
  • religiöse und idelologische Anführer
  • Revolutionäre und Widerstandskämpfer
  • Wirtschaftsbosse

Können die neueren Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie und Verhaltensforschung genutzt werden, um besser zu verstehen, wie all diese Menschen ihre Macht gewonnen haben und warum sie ihre Entscheidungen in dieser Form fällten ?

  • Wie können wir verhindern, dass ungeeignete Politiker an die Macht kommen ?
  • Wie können wir Diktatoren rechtzeitig entmachten ?
    • wenn nötig töten. Wir haben ein Widerstandsrecht im deutschen Grundgesetz. Aber unser Parlament ist seit seiner Gründung zu feige, es mit Leben zu erfüllen.

Zur Zeit sehen wir, dass weltweit unsere Demokratien bedrohlich gefährdet werden:

  • die Hälfte der Wahlberechtigten ist  zu faul, ihr Wahlrecht auszuüben
  • viele Wähler fallen auf die durchsichtigen populistischen Parolen von Volksverhetzern herein, die die Schuld an allen Problemen immer Minderheiten in die Schuhe schieben und ihren potentiellen Wählern erzählen, dass sie   besonders hervorragende Menschen sind und die anderen der Abschaum der Menschheit.
    • es ist inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen, dass alle heute lebenden Menschen von einer kleinen Gruppe Afrikaner abstammen. Keiner sollte sich deshalb einbilden, dass er besser wäre. Wir sind alle gleich und können  dieselben Fähigkeiten entwickeln, wenn wir die Möglichkeit dazu bekommen.
  • unsere Regierungen lassen zu, dass die Geheimdienste immer stärker werden und unkontrolliert jeden Bürger ausspionieren. Wir sind jetzt bereits viel weiter in der Überwachung jedes Bürgers, als  George Orwell in seinem Roman 1984 beschrieben hat oder sich wahrscheinlich  in seinen schrecklichsten Albträumen vorstellen konnte.
    • wahrscheinlich werden in den nächsten Jahren bereits jedem Baby elektronische Geräte implantiert, mit dem sein Denken und Handeln überwacht werden kann. Irgendjemand wird bereit sein, das als gut zu erklären.
      • bereits heute wird die Ultraschalluntersuchung schwangerer Frauen missbraucht, um häufig nur noch Jungs zu gebären.
        • Die daraus entstehenden Probleme zeigen sich bereits in China.  Es fehlen ca. 50 Millionen junge Frauen im heiratsfähigen Alter.
        • die Einkindpolitik hat in China zu einer auf dem Kopf stehenden Alterspyramide geführt, die dazu führen wird, dass China in den nächsten Jahrzehnten extreme soziale Probleme haben wird.
      • wir sollten akzeptieren, dass die Evolution die Menschen so ausgestattet hat, dass sie möglichst in jeder Situation überleben können. Wenn wir reinfuschen, können wir nur gr0ßen Unsinn anrichten.
    • ich erwarte auch, dass die Zigarettenindustrie eines Tages korrupte Wissenschaftler finden wird, die umfangreiche Messungen durchführen werden und dann erklären, dass Zigarettenrauchen gesund ist.
  • Alle Grausamkeiten, die sich ein menschliches Gehirn ausdenken kann, haben wir bereits in großem Umfang auf dieser Welt realisiert.
    • mich wundert, daß Religionen uns immer noch mit der Hölle Angst machen wollen. Welchen Unterschied gibt es denn zwischen den Grausamkeiten, die es in der Hölle geben soll und denen, die wir bereits auf der Erde ausüben ?

Ortega y Gasset hat sich mit der Psychologie von Massen beschäftigt und eine seiner Kernerkenntnisse war:

  • in einer Masse von Menschen ist jeder so klug wie der Dümmste.

Das mag erklären, warum  die Menschheit  immer noch so handelt, wie sie es seit Jahrtausenden tut.

  • Ausbeutung, Unterdrückung und Versklavung der Mehrheit durch eine Minderheit
  • fortwährende Kriege
  • Korruption statt Gerechtigkeit

Zu diesen bekannten Verhaltensweisen kommt heute aber hinzu, dass sie durch die moderne Wissenschaft und Technik noch wesentlich effektiver ausgeübt werden können.

Unsere Gesellschaften unterziehen sich selbst einer fortwährenden  Gehirnwäsche, indem sie sich einer dauernden negativen Beeinflussung aussetzen:

  • Reklame, die uns auffordert, Dinge zu kaufen,die wir nicht benötigen; also ständig Bedürfnisse erzeugt, die nicht existieren.
  • im Fernsehen eine Unzahl von Krimis, die seit Jahren immer grausamer werden.
  • eine Unzahl von Talkshows, die sich auf niedrigem Niveau bewegen
    • die Teilnehmer in politischen Talkshows können sich noch nicht einmal auf die Fakten einigen, geschweige denn auf die Schlußfolgerungen
      • der Erkenntnisgewinn ist Null. Siehe Griechenlanddebatten, Finanzkrise, NSA Skandal usw.
  • die öffentlich / rechtlichen Fernsehanstalten erfüllen nur noch zu einem geringen Teil ihren Auftrag, die Zuschauer umfassend und neutral zu informieren und einen wichtigen Beitrag zu ihrer Bildung zu leisten.
    • wir sollten überlegen, ob wir sie schließen und die vielen  Millarden Euro direkt in Bildungsprogramme stecken.
    • es ist sehr leicht, sich ein eigenes Fernsehprogramm zusammenzustellen, indem man sich Videos zum Beispiel auf youtube ansieht oder online-Vorlesungen von Universitäten.
      • Fernsehen ist eine überholte und extrem teure Technik, die wir in dieser Form nicht mehr benötigen.

Wahrscheinlich wurden noch keine menschlichen Gesellschaften vor uns so umfassend  und wirkungsvoll manipuliert wie wir heute.

Es ist deshalb extrem wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass unser Denken und Verhalten manipuliert werden, so dass wir uns davon befreien können.

Ein Volkslied hat den Titel:

Die Gedanken sind frei

und ein  anderes Volkslied antwortet darauf:

Lang, lang ist’s her.

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